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Dexter: The Game

Verfasst von Nik am 1. November 2009 1 Kommentar

dgn_dexter_iphone_game_03Dexter Morgan …
… der Durchschnittstyp von nebenan. Ein Lächeln am sonnigen Morgen, immer Donuts für Kollegen der Miami Metro Police dabei. Tagsüber erfolgreicher forensischer Analytiker mit Spezialgebiet Blutspritzer. Doch nachts – da dringt Dexters wahres Ich an die Oberfläche. Ein Serienmörder. Dexter nennt ihn seit seiner Kindheit: “den dunklen Begleiter”, dessen Durst er stillen muss. Doch dank seines verstorbenen Stiefvaters hält sich der Profi-Serienmörder an einen speziellen Kodex. Dieser besagt vor allem: Töte keinen Unschuldigen. So sucht sich Dexter Opfer aus, bei denen die Justiz versagt hat.

Zum Eintauchen geeignet?
Am Anfang des Spiels fand ich mich auf nachgestellten Originalschauplätzen wieder. Besonders Dexters Wohnung und die Polizeistation sehen auf dem ersten Blick sehr gut aus und lassen das Herz eines Fans höher schlagen. Doch schnell löst sich die Euphorie auf. Die restlichen Orte wurden entweder kreativ “vervollständigt” oder einfach neu dazuerfunden. Schnell stolperte ich dabei aber an Grenzen, sogar an solche, die gar nicht da waren. Nach kurzer Zeit glaubt man, wie ein Pantomime, ständig gegen Glaswände zu stoßen. Die Spielwelt ist furchtbar unecht und frei von Leben. Die meisten Charaktere stehen nur da wie Schaufensterpuppen. Nur in einigen Szenarien gibt es mehr Bewegung. Aber von einem Rollenspiel erwarte ich heutzutage deutlich mehr, egal ob iPhone oder nicht.

Halbes Drehbuch
Die Story spielt in der ersten Staffel der Serie. Diese wurde aber stark reduziert, sodass Emotionen und Spannung kaum durchkommen. Das Schlimmste ist dabei, dass das Spiel nur knapp die Hälfte der eigentlichen Serien-Story abdeckt. Wenn es richtig spannend wird, ist das “Game Complete”, also durchgespielt, und man sieht in einer Statistik, was man alles bis dahin gemacht hat. Doch bis es dazu kommt, muss sich Dexter zwischen den Locations “beamen”, mit den Schaufensterpuppen NPCs reden und dadurch Hinweise zu Kriminellen erhalten, gegen die die Beamten nichts in der Hand haben. Anschließend werden weitere Beweise und Hinweise auf anderen Locations gesammelt. Wenn genug zusammen gekommen ist, sucht sich unser Lieblingsmörder einen “Kill-Room” und präpariert diesen entsprechend. Danach springt man wieder auf eine andere Örtlichkeit, in der man den bösen Buben durch ein Schleichspiel überwältigt. Am Ende gibt es noch ein paar Sätze zwischen Killer und dem Opfer. Schlussendlich macht Dexter das, was er am besten kann und entsorgt die Reste irgendwo weit im Meer. Nun ja – das war es eigentlich schon.

Maskerade
Beim Sammeln von Hinweisen muss man allerdings etwas vorsichtig vorgehen. Man hat zum Beispiel verschiedene Antwortmöglichkeiten. Diese können entweder Dexter Masken- oder Begleiterpunkte kosten. Der Maskenpunktewert gibt an, wie unschuldig er für die anderen erscheint. Sinkt dieser Wert auf 0 ist Game Over. Der Wert des dunklen Begleiters gibt an, wie hungrig dieser ist. Je höher dieser Wert ist, desto weniger Maskenpunkte erhält Dexter und wirkt dadurch schneller verdächtig. Im Prinzip muss man morden um die Sucht nach Blut zu befriedigen und nebenbei schön brav lächeln und Kollegen mit Rat und Tat bereit stehen. Ein wirklich erfrischendes System, bei dem man seine Worte und Taten gut überdenken sollte.

Spurensicherung
Man kann natürlich auch gut an Maskenpunkte kommen, indem Dexter einfach seiner Arbeit nachgeht. Dabei handelt es sich um kleinere Minispiele, in denen entweder Fingerabdrücke, Blutspritzer oder DNA-Spuren identifiziert werden müssen. Die Spiele machen zwischendurch wirklich Spaß und sind gut in das Spiel integriert. Neben den Minispielen im Labor gibt es auch welche bei Undercover-Recherchen. Dabei handelt es sich unter anderem um solche Spielchen wie Passwort- oder Schlösser knacken. Neben den schon erwähnten Schleichspielchen wurden auch diese gut in das Spiel integriert.

Original Sound
Für das iPhone-Game wurden sogar die Originalschauspieler zum Mikro gebeten. Das Spiel ist nahezu rein mit Sprachausgaben ausgestattet. Untertitel gibt es meistens auch. Leider ist aber beides nur auf Englisch verfügbar. Wenigstens die Untertitel hätte man übersetzen können. Das Spiel ist nämlich für niemanden geeignet, der nicht mindestens fortgeschrittene Englischkenntnisse hat. Ansonsten klickt man sich nur durch Texte und verfügbare Interaktionen durch und auf einmal hat man das Spiel durch, ohne überhaupt zu wissen was warum passiert ist. Wo wir schon einmal bei der Sprachausgabe sind: Es sei noch die Spielmusik erwähnt, diese ist ausschließlich aus dem Originalsoundtrack der Serie entnommen und gut in das Spiel integriert.

Grafiken
Was die Grafik des Spiels angeht, ist das so ziemlich der Durchschnitt der in diesem Preissegment des iPhone-Marktes verfügbaren Games. Nicht wirklich überragend. Man hat sogar versucht, die Gesichtsanimationen in Gesprächen hinzubekommen. Teils ist das auch ordentlich gelungen. Die relativ zahlreichen Zwischensequenzen heben sich grafisch deutlich ab, sind aber auch nicht wahnsinnig überragend. Die Steuerung durch die 3D-Kulissen ist auch ok. Da man sowieso nicht großartig schnell agieren muss, ist die etwas schleppende manuelle Kamerakorrektur in Ordnung.

Fazit
Im Großen und Ganzen kommt mir das so vor, als ob man hier nur eine Werbung für die Serie in Auftrag gegeben hat. Die Entwickler wollten aber mehr als das schaffen, hatten wohl aber am Schluss nicht die Zeit und das Budget. Eigentlich traurig, denn das Spiel hat Potenzial und gute Ideen. Doch vom Endprodukt bin ich sehr enttäuscht. Für Fans ist die Hintergrundwissen-Komponente vorhanden, die Dexter im besseren Licht dastehen lässt. Für Neulinge wird das aber nicht der Fall sein. Wer sich von der kurzen, charakterlosen Story und massiven Realismusverlust nicht abschrecken lässt, erlebt ein Spiel wie es sonst nicht zu finden ist.

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Über Nikolai Seel

Nik lebt den großen Cyber-Traum. Angefangen als kleiner, aufstrebender Gastautor – aufgestiegen zum Autor von macinplay. Wenn das keine Erfolgsstory ist. Als begeisterter Gamer hat er schon ganz früh bei den (memorycardfreien) Test-Playstation-Stationen in Elektronikläden angefangen. So kann er noch heute den ersten Level von Tomb Raider III fehlerfrei mit verbundenen Augen, balancierend auf einer Dose und mit Aufzählung von Primzahlen durchspielen. Später gab es die ersten Berührungen mit einem heimischen PC und ersten Spieleabstürzen. So kam und ging im Jahrestakt ein PC nach dem anderen zum großen Gates-Nirvana. Bis eines Tages die nächste Stufe erreicht wurde: ein MacBook. Dabei sind leider die Games am PC/Mac stark in den Hintergrund gefallen (wegen fehlen einer einigermaßen guten Grafikkarte). So konzentrierte sich der inzwischen „erwachsene“ Nik auf das iPhone und dessen Neuland der Games. Heute hat er mehr iPhone-Games als das Gerät anzeigen kann. Und da er gern über das ein oder andere Game meckert oder in Euphorie ausbricht, sollen es gleich alle erfahren.
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