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Endless Space

Verfasst von Raimund Scheßwendter am 27. September 2012 Kommentieren

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4X stehen für maximalen Spielspaß

Seit rund einem Monat ist Endless Space nun für Mac&PC auf dem Markt – Zeit genug den SciFi-Titel mal ordentlich unter die Lupe zu nehmen. Endless Space von dem Indie-Publisher Amplitude Studios – die uns auch netterweise eine Kopie über die Steam-Plattform zur Verfügung stellten –  gehört zu den Vertretern der 4X-Strategiespiele. Die vier X stehen dabei für explore, expand, exploit und exterminate stehen (Erforschen, Ausbreiten, Ausbeuten und Ausrotten). Wer Master of Orions oder Spaceward Ho kennt, weiß, wie diese Titel aufgebaut sind: Es gilt das Universum zu bevölkern und währenddessen Streitkräfte und Planeten auszubauen. Endless Space ist in etwa genauso gestrickt und hat doch seine feinen Besonderheiten. Steigen wir also ein in die unendlichen Weiten, die von uns kolonisiert werden wollen.

Tutorialvideos helfen durch die Boxen

So endlos ist der Raum dann doch nicht, kann doch zu Beginn gewählt werden, wie groß die Galaxie ist. Doch nicht nur das, auch seine Form und Beschaffenheit, sein Alter und rund acht weitere Detaileinstellung für die Systeme sind einstellbar. Beim Schwierigkeitsgrad ist definitiv die niedrigste Stufe zu empfehlen, denn – wie wir später noch sehen werden – die KI hat es wahrlich in sich. Gleich nach dem Start nimmt Endless Space den Spieler an die Hand durch die unzähligen Dialogfenster des Spiels. Schade dabei ist nur, dass die Tutorials als fertige Videos ablaufen und nicht zum „selber probieren“ echte Dialoge zur Verfügung stehen. endless-space-testbericht-macinplay-de_ Die Videos sind zwar aus der englischen Version, doch die Tutorialtexte sind – wie der komplette Rest des Spiels – einwandfrei lokalisiert. Wie im Genre üblich, beginnt man auf einer Planetenkarte, der auch im Rest des Spiels das Hauptaugenmerk geschenkt wird. Auf ihr kann man die Planetensysteme sehen und die Wege zu weiteren, unerforschten Sternkonstellationen. Gut gemacht ist bei Endless Space, dass es sich immer gleich um ganze Planetensysteme handelt, die dann in verschiedener Anzahl und Beschaffenheit mehrere Planeten beheimaten. endless-space-testbericht-macinplay-de-10 Je nach Forschungsstand können diese Planeten entweder mit Kolonieschiffen oder später auch von den jeweiligen bereits kolonisierten Planeten aus bevölkert werden.

Planeten, Ressourcen und Administratoren

Vier Kennzahlen spielen bei den Systemen eine besondere Rolle. Sie werden in Kurzform als „WIND“ bezeichnet. Dabei sind Nahrung, Geld, Wirtschaftspower und Forschungskraft die Ressourcen, die das System dem Gesamtpool zur Verfügung stellt. Später kommen wertvolle Produktions- und Handelsressourcen (Luxusgüter) hinzu. Positiv fällt auf der Planetenkarte auf, dass je nach Zoomfaktor dem Spieler mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden. Noch erfreulicher wäre gewesen, wenn diese Zusatzinformationen – beispielsweise per Mouse-Over – auch eingeblendet würden, wenn man etwas weiter herausgezoomt hat.  Ein Doppelklick auf die Planetensysteme zeigt die Planeten und ihre Beschaffenheit, die einzelne Planeten können ebenfalls angeklickt und studiert werden. Neben der Kolonisation, müssen die Planeten bewirtschaftet werden. Hierbei legt der Spieler einen Schwerpunkt auf eine der vier Kernressourcen in dem Strategiespiel. Diverse Einrichtungen steigern den Output der Planeten im weiteren Verlauf. Weiterhin können ihnen Administratoren, sogenannte Helden zugewiesen werden, die denselben Zweck erfüllen.

Helden, Rassen und Forschungsprojekte

Helden sind übrigens beispielsweise genau eine der feinen Besonderheiten, die Endless Space von seinen unzähligen On- und Offline-Vorgängern abhebt. Die Helden lassen sich auch Flotten zuordnen, um die Kampfkraft der eigenen Flotte zu erhöhen. Helden gibt es immer mehr, als man aufnehmen kann. Sowohl die Rekrutierung, als auch der Unterhalt kostet Dust, die monetäre Einheit in Endless Space. Die Helden haben verschiedene Eigenschaften und Spezialkenntnisse, die sich im Laufe des Spiels steigern.

Auch hier fällt die nette grafische Aufarbeitung von Endless Space auf. Je nachdem welche der acht Rassen der Weltraumstratege auswählt, greift er später hauptsächlich auf Charaktere aus dieser zurück. Ihre Porträts sind ansehnlich. Schade ist nur, dass die Akademie nur stark begrenzte Plätze für Helden offenbart, so dass nie alle verfügbaren Helden eingestellt werden können. Taktisch bedeutet das, dass gut ausgewählt werden muss, wer gerade welchem System oder welcher Flotte zugeordnet werden soll und es ist ratsam, diese Zuordnung regelmässig zu überprüfen. endless-space-testbericht-macinplay-de-15

Erwartungsgemäß wichtig ist bei Endless Space auch die Forschung. Ein viergeteilter Techbaum zeigt welche Projekte aus den Bereichen Handel&Diplomatie, Entdecken&Expandieren, „Angewandte Forschung“ und natürlich Waffen- und Rüstungssysteme für unsere Schiffe, im Angebot sind. Per Mouse-Over ist zu erfahren, welche ganz praktischen Auswirkungen die jeweiligen Forschungsvorhaben später im Spiel bringen. Solche Vorhaben können auch in Reihe geschaltet werden. Schade, dass es sich dabei um aufeinander folgende Vorhaben im gleichen TechBaum handeln muss. Frei Forschungsprojekte in eine Warteschlange zu ziehen – Dieser Traum bleibt verwehrt. Die Auswahl der umfangreichen Tech-Projekte ist groß und es ist bei weitem nicht einfach, zu wählen, welches Projekt das eigene Imperium am Effektivsten voranbringt. Zu Beginn ist auch schwer absehbar, wie stark sich die Einflüsse des jeweiligen Projekts auf das konkrete Spiel niederschlagen. Dahinter steht die Frage: „Soll ich erst meine wirtschaftliche Größe oder die Menge der kolonisierbaren Planetenarten erhöhen, oder lege ich mehr Wert auf technologische Errungenschaften für den Kampf oder die Diplomatie“.

Schiffe konstruieren und mit ihnen in den Krieg ziehen

Die Raumschifferrungenschaften können ganz praktisch im Konstruktionscenter den jeweiligen Schiffstypen zugeordnet werden. Hier stehen eine Reihe von Waffen- und Rüstungsklassen bereit, die mit weiteren (Hilfs-)Modulen kombiniert werden können. Im Laufe der Zeit kommen immer größere Chassis dazu, so dass man sich in der Raumschiffkonstruktion voll entfalten kann. endless-space-testbericht-macinplay-de-13 Es macht viel Spaß, sich seine eigenen taktischen Zusammenstellungen zu konstruieren, später zu produzieren und schließlich damit in den Krieg zu ziehen.

Die Kämpfe schließlich sind gut gemacht, auch wenn wenig Eingriffsmöglichkeiten während dem Ablaufs bestehen. Die Gefechte in Endless Space laufen in drei Kampfphasen ab. Dabei wählt der Spieler für jede aus, welche Taktik von den sogenannten Aktionskarten seine Flotte anwendet. Dabei sind defensive, aggressive bis hin zu Sabotage-Aktionen möglich. Der Gegner wählt seine Aktionskarten ebenso. In den jeweiligen Phasen läuft der Kampf vollautomatisiert per Cinema-Animation ab. Die Raumschiffe, die verbauten Systeme, sowie die Wirkung auf den Gegner sind schön animiert, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass man die Kampfphasen in der Ansicht beschleunigen kann. Bei allzu eindeutigen Konstellationen kann der Kampf im vornherein entschieden werden (Auto-Funktion).

Handel und Diplomatie

Neben dem Kampf gibt es die Möglichkeit in diplomatische Beziehungen zu treten. Je nach Forschungsstand ist es möglich den Kontrahenten entsprechende Angebote zu unterbreiten. Der Handel ist weitgehend automatisiert, so dass hierfür keine eigenen Anstrengungen nötig sind. Nach jeder Runde informiert das System den „Imperator“ nicht nur darüber, welche Produktionen abgeschlossen, welche Forschungsprojekte absolviert, welche Kämpfe anvisiert sind, sondern auch, wann und inwiefern sich die Einstellung der Gegner gegenüber des eigenen Reichs verändert haben.

Die Planetensysteme, die sich auch vollautomatisch vom Computer verwalten lassen, können wahlweise Einrichtungen bauen, die am Ende zur Erhöhung von einer der Ressourcen oder der Bevölkerungsanzahl dienen, oder Schiffe bauen. Die Schiffe müssen eigens vom Hangar in den Orbit zu Flotten zusammengelegt werden, was den Vorteil haben kann, dass „unfertige“ Flotten vom Gegner nicht angegriffen werden können. endless-space-testbericht-macinplay-de-11 Da die Kämpfe ausschließlich im Orbit von Sternensystemen ablaufen, kann man das dazu nutzen den Angreifer zu überraschen. Kurzerhand die Schiffe im Hangar zusammengelegt und in den Orbit verlegt – und schon ist die lächerliche Pirateninvasion gestoppt.

Suchtfaktor trotz trockenem Stil 

Auf der Planetenkarte kann man sehen, welche Schiffe der befreundeten oder befeindeten Rassen gerade in welchem Orbit herumschweben. Ob eigene Planeten belagert werden, sieht man dort natürlich auch. Für die Invasion gibt es Raumschifferweiterungen im Konstruktionscenter. Mit normalen Gleitern dauert eine Invasion recht lange und gibt dem Gegner ausgiebig Zeit, Unterstützungsflotten heranzuziehen, um der Invasion den Garaus zu machen. Belagerte Systeme können keinen Handel und keine Produktion mehr betreiben.

Neben den üblichen Statusmeldungen am Ende jeder Runde, gibt es auch eine Reihe von Spielereignisse, die unabhängig von den Spielerhandlungen eingeblendet und aktiv werden. Trotz aller Einstellungs-, Produktions-, und -Möglichkeiten sind beim Spiel durchaus Längen zu bemerken. Ich persönlich hätte mir noch mehr Animationen für Statusmeldungen und Spielgeschehen gewünscht. Dass das Entwicklerteam in Animationsfragen fit ist, zeigt sich an den schönen Sternenkarten und gut gemachten Kampfszenen. endless-space-testbericht-macinplay-de-20 Trotz des einem oder anderem Kritikpunktes weiß Endless Space jedenfalls zu fesseln. Einen gewissen Suchtfaktor kann man dem Spiel nicht absprechen. Die Entwicklungen gehen stetig voran, auch wenn es zuweilen schwierig ist, die Entwicklungen des Computergegners nach zu vollziehen. Der ist schon auf der Stufe leicht kaum zu besiegen. Ich hatte sie mit einigem Unbehagen gewählt, nachdem ich auf der Schwierigkeitsstufe normal innerhalb kürzester Zeit von der Planetenkarte gefegt worden wurde. Selbst auf sehr leicht musste ich feststellen, dass ich einige Probleme hatte, mich gegen meine Kontrahenten durchzusetzen. Daher empfehle ich jedem, der Endless Space anspielt, die Stufe „Neuling“ für den Beginn zu wählen. Es ist wohl auch die einzige Stufe, bei der der Computergegner nicht „gecheatet“ wird.

Schöne Grafik, wenig taktische Möglichkeiten

Alle Menüs und Dialogfelder sind attraktiv gestaltet, leicht zu erfassen und mit einiger Phantasie konzipiert. Gerade auch die interessanten Rassen, die sich das Developerteam ausgedacht hat, machen das Spiel zu einem unterhaltsamen Zeitvertreib. Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie das eigene Imperium prosperiert. Ein wenig mehr Einstellungsmöglichkeiten und Taktik hätten dem Kampfmodus jedoch nicht geschadet.

Generell ist die Grafik vorzüglich. Die Macher von Amplitude zeigen, dass sie in Sachen Artwork und Animationen einiges auf dem Kasten haben. Schade nur, dass sie ihre Fähigkeiten nicht häufiger in Anwendung bringen. So sind die vielen Dialogboxen zwar klar strukturiert und stylisch in ihrem Aussehen. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass ein paar liebevolle Zeichnungen oder prächtige Animationen das Grau-in-Grau der Tabellen und Dialogboxen durchbrechen. Der Sound bei diesem Strategietitel lässt nur wenige Wünsche offen. Die Hintergrundmusik ist unaufdringlich und nervt auch bei längerer Spielzeit nicht. Allein die FX-Sounds, also die originären Spielgeräusche, hätten ein wenig mehr Aufmerksamkeit kriegen können. Zu wenig unterschieden sich die Geräusche, bei den jeweiligen Rassen.  Diverse Rollenspiel- oder Echtzeittitel zeigen deutlich, dass das noch besser geht – wie etwa das 20 Jahre alte Starcraft, wo sich das Bedienpanel aussehensmäßig an die Rasse anpasst.

Endless Space überrascht zwar immer wieder mit innovativen Einfällen, wer allerdings eine Explosion an Kreativität erwartet, wird enttäuscht. Der Titel zeigt sich, wie viele Brüder und Schwester des Genres hauptsächlich in nüchternen Farben und seriösen Formen. Vor allem Fans von Space-Operas und 4x-Titeln werden an ihre helle Freude an Endless Space haben. Ist es doch modern, gut anzusehen und überrascht immer wieder mit netten Einfällen. Das derer noch mehr dazu kommen, soll die Mitsprache der Community über ein Konzept namens Game2gether sicherstellen. Es wäre schön, wenn das bis hierhin ausgesprochen gelungene Spiel dadurch noch stärkere Konturen erhalten würde.

 
Von Raimund Schesswendter

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Über Raimund Scheßwendter

Geboren im Jahr des ersten vollwertigen 8-Bit-Prozessors entdeckt Raimund “Ray” Schesswendter im Alter von 12 Jahren den Computer. Seit seinem ersten Zusammentreffen (1996) mit dem angebissenen Apfel: Fan. Arbeitete für iTeam, Apple Beratungszentrum und diverse Medien. Ray ist verheiratet und lebt getrennt von seiner Frau und seiner Tochter im Kindergartenalter. Bei macinplay schreibt er seit 2006. Strategie-Titel bilden den Schwerpunkt der Spieleleidenschaft des Science-Fiction-Fans.
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