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Rayman 3: Hoodlum Havoc

Verfasst von Gastautor am 9. April 2010 1 Kommentar

Rayman wäre ein interessantes Exemplar für den obskuren Leichenschausteller Gunther von Hagen. Dessen Wanderausstellung “Körperwelten” zieht bekanntlich Millionen von Menschen durch die Darstellung offen gelegter Corpi in ihren Bann. Allein bei Rayman gäbe es Sensationelles zu betrachten: Er verfügt nämlich weder über Arme noch Beine und der Rest seines Körpers schwebt scheinbar frei durch die Gegend. Doch wäre der gute Junge ohnehin deplatziert im Gruselkabinett des Freiherren – schließlich ist Rayman quicklebendig und gerade erst in seiner dritten Inkarnation erschienen.

Wie so viele Spielehelden in jüngster Zeit hat auch Rayman seinen Weg von den High-End-Konsolen auf den Mac gefunden. Und einmal mehr bringt uns das ganz vorzügliche britische Label Feral Interactive einen weiteren Top-Titel auf unsere Lieblingsplattform. Für die Portierung selbst sind die Jungs von Zonic verantwortlich. Aber nun ran an die Substanz.

Hintergründiges
Wie bei zahlreichen Jump ‘n’ Runs ist auch bei Rayman die Story mehr oder weniger zu vernachlässigen. So genannte “Hoodlums”, gleichsam hässliche wie einfältige Bösewichte, besetzen das Reich der Träume und assimilieren die freundlichen Einwohner. Natürlich werden jene stupiden Heerscharen auch von einem Ober-Fiesling angeführt. Jener “André” begegnet uns zunächst im nett anzusehenden Vorspann des Spiels und ähnelt doch tatsächlich einer Vogelscheuche. Jedoch ist der Spieler diesem Furcht einflössenden Anblick nicht lange ausgesetzt, da Raymans wohl proportionierter Kumpel Globox den Herren der Unterwelt kurzerhand verschluckt. Im weiteren Spielverlauf geht es nun im Wesentlichen darum, Globox von seinem ungeliebten Mitesser zu befreien und nebenher die Welt vor den Hoodlums zu retten.

Gameplay
Beste Grüße an den geschätzten Kollegen Bertram Haller von den macguardians.de – mögen er und unsere werten Leser mir die Fäkalsprache verzeihen, aber: Die beschissenste Spielesteuerung seit “Flucht von Monkey Island” ist da! Von der schönen und vor allem präzisen Bedienung des Originals blieb nach der Portierung auf den Mac leider nicht mehr viel übrig: Das Wechselspiel von Tastatur- und Maussteuerung mag prinzipiell nicht optimal für Jump ‘n’ Runs sein, im Falle von Rayman gelang Zonic jedoch eine besonders schlechte Implementierung.

Rayman wird mit den Pfeiltasten gesteuert und via Maus lässt sich die Perspektive wechseln (sämtliche Funktionen können auch anderen Tasten zugeordnet werden). Bereits hierbei gewinnt der Spieler den Eindruck, als bewege sich die Kamera stets dorthin, wo auch der letzte Überblick verloren geht. Viel fataler jedoch erscheinen die verqueren Sprünge, welche Rayman aufs Parkett legt. Er hüpft oftmals entweder zu weit oder fällt kurz vor dem Ziel hinunter, obschon Anlauf und Sprungzeitpunkt scheinbar exakt getimed wurden. Es mag etwas verzwickt sein, Rayman präzise durch die knallbunte Comic-Welt des Spiels zu steuern, einen Heidenspaß macht es dennoch.

Zu Beginn des Spiels wollen kreischende Bewohner aus Käfigen befreit und möglichst viele Diamanten eingesammelt werden. Dies gelingt sowohl durch das Ausschalten der zahlreichen Hoodlums als auch durch intensives Suchen in den weit läufigen und originell gestalteten Levels. Diamanten verbergen sich nicht nur in Höhlen oder hinter Büschen – sie sind tatsächlich auch in umher laufenden Sparschweinen zu finden.

So viel Zivilcourage, Ausdauer und Sammlerfleiß wird selbstredend belohnt: Für jeden befreiten Bewohner erhält Rayman ein Diamantenstück eines sechsteiligen Medaillons. Sobald dieses vollständig ist, erweitert sich Raymans Energiebalken und somit auch dessen Überlebenschance in Auseinandersetzungen mit Hoodlums sowie den abgefahrenen Endgegnern der einzelnen Levels.

Rayman verfügt über fliegende Fäuste, welche er auch um Ecken oder Objekte schleudern kann, um so verborgene oder weiter entfernte Gegner zu treffen. Zudem lassen sich die Fäuste auch einzeln einsetzen. Darüber hinaus gelangt Rayman später im Spiel in den Besitz von fünf unterschiedlichen Superkräften, die jeweils eigene Kostüme und allerlei nette Features mit sich bringen.

Hierbei stehen drei Faustarten (Wirbel, Heavy Metal und Torpedo), ein Eisengreifer sowie der Super-Copter, ein Mini-Helikopter, zur Verfügung. In Besitz der Wunderwaffen gelangt der Spieler, indem er Hoodlums, über deren Haupt Dollarzeichen schweben, zur Strecke bringt. Es empfiehlt sich, diese Superkräfte ökonomisch einzusetzen, da sie nur für begrenzte Zeit ihre Wirkung entfalten können.

Atmosphäre
Bis dato gab es keine schöneren und abwechslungsreicheren Plattform-Welten auf dem Mac zu bewundern: Vom Urwald über detailreiche Eis- und Lava-Wüsten bis zu kunstvollen Sterntreppen wurden alle Register veritablen Level-Designs gezogen und sauber texturierte Welten geschaffen. Die rasanten Zwischensequenzen, in welchen Rayman über Leuchtstoffröhren ins nächste Level surfen muss, erschlagen den Spieler mit knallbunter Psychedelia, welche manchen Gestalter von 60s-Plattencovern als angepassten Design-Spießer erscheinen lassen. Einzig die Spielfiguren wirken im Vergleich zur brillant inszenierten Umgebung etwas lieblos.

Während die Visual Artists Sgt. Pepper spielen, kommt die musikalische Abteilung über schnöden Hitparaden-Durchschnitt nicht hinaus. Nur an wenigen Stellen im Spiel werden Musik und Sound dem hohen Grafik-Niveau gerecht. Als gelungen lassen sich allerdings die Ausführungen der witzigen Synchron-Sprecher bezeichnen. In der deutschen Version hat gar Kult-Barde Guildo Horn einen eigenen Part.

Fazit:

Trotz Schwächen in der Bedienung überzeugt Rayman 3 durch einen attraktiven Mix aus abwechslungsreichem Level-Design, interessantem Gameplay und hoher atmosphärischer Dichte, welche insbesondere durch die exzellente Grafik begründet ist. Der Schwierigkeitsgrad ist moderat und kindergerecht, auch wenn sich mancher Level-Boss als harter Brocken erweist. Besitzer älterer Macs oder von Modellen mit G3-Prozessor seien jedoch gewarnt: Rayman macht erst ab einem G4 mit 1 GHz und einer 64 MB-Grafikkarte richtig Spaß. Auf dem Test-PowerBook G4 mit 1.25 GHz und Radeon 9600 gab es zunächst eine heftige Ruckel-Orgie und nervige Aussetzer bei Musik und Sound. Das Update auf Version 1.0.1 konnte diese Probleme jedoch allesamt beheben und sei allen PowerBook-Besitzern ans Herz gelegt.

Jan Feldkircher

Verfügbarkeit

Zu haben ist das Produkt im macinplay-Shop oder bei Amazon.

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